Feuerwehren, THW und Vereine: sie alle suchen Nachwuchs. Kinder und Jugendliche fürs Engagement zu gewinnen, beginnt im frühen Kindesalter. Bürgermeisterkandidat Tim Becker will hier konkrete Veränderungen anstoßen.

Die Eifel lebt von einem aktiven Vereinsleben. Seit meiner Jugend engagiere ich mich wie selbstverständlich in Vereinen. Mit 21 Jahren wurde ich Vorsitzender des Fördervereins „Freundeskreis“ des Thomas-Morus-Gymnasiums, meiner alten Schule. Ich habe mehrere Vereine mitbegründet und war immer auch sozial aktiv. Heute bin ich Erster Vorsitzender der Musikschule Landkreis Vulkaneifel e.V. mit über 700 Schülerinnen und Schülern. Regelmäßig fahre ich Bürgerbus und liefere Lebensmittel aus. Ich möchte meiner Gesellschaft etwas zurückgeben, da ich viel von ihr bekommen habe.

Wie sollen junge Leute fürs Ehrenamt gewonnen werden?

Zunächst einmal sollten wir uns an die eigene Nase fassen und unsere Kinder nicht als defizitäre Wesen wahrnehmen, die ja nur am Handy daddeln und stundenlang vorm Computer hocken. Die Älteren sind ja auch nicht alle schwerhörig und schlecht zu Fuß. Gerade unsere Feuerwehren wissen das. Sie leisten einen unschätzbar wichtigen Beitrag für unseren Nachwuchs. Sie sollten daher noch stärker von uns unterstützt werden.
Manchmal scheint es mir aber immer noch, dass Jugendliche bei uns einfach nur als lästig angesehen werden, vor allem, wenn sie unseren manchmal seltsamen Ordnungsvorstellungen entgegenwirken. Als müssten Jugendräume penibel sauber sein. Wer in seiner Kindheit und Jugend die Erfahrung macht, von der Gemeinschaft in seinen Anliegen nicht ernst genommen zu werden – warum sollen sie dann nach der Schulausbildung hier bleiben? Also: Kinder und Jugendliche gehören von Anfang an ernsthaft eingebunden. Sie haben enorme Potentiale, die wir gemeinsam erkennen und fördern müssen.

Und wie soll das gehen?

Die Grund- und Realschule plus in Gillenfeld hat dies eindrucksvoll vorgemacht. Hier hat man das Angebot „Verantwortung und Nachhaltigkeit“ auf den Plan gesetzt. Es gab im Vorfeld eine Zukunftskonferenz, die von Bürgermeister Werner Klöckner mit seinem WEGE-Team vorbereitet und durchgeführt wurde. Als sein Nachfolger als Bürgermeister der Verbandsgemeinde Daun werde ich die Schulen und Kindergärten auf dem Weg zu Angeboten im Zusammenhang mit „Verantwortung“ aktiv begleiten. Und das schaffen wir, ohne dass Erzieherinnen und Erzieher und Lehreinnen und Lehrer und vergleichbar Tätige eine zusätzliche Mehrbelastung haben. An der Universität habe ich ähnliche Konzepte für Schulen bereits mitentwickelt. Heute sind Kinder und Jugendliche stärker in schulische Kontexte eingebunden als noch zur Jahrtausendwende. Sie verfügen über weniger Zeit für das Vereinsleben: daher sollte das Fach „Verantwortung“ dorthin kommen, wo unsere Kinder tagtäglich sind.


Wie sieht es mit den älteren Ehrenamtlichen aus? Auch hier wird ja in den Vereinen händeringend gesucht?

Ehrenamt und Vereine in der Verbandsgemeinde Daun stehen vielerorts vor großen Herausforderungen. Derzeit sind rund 300 Vereine ins Vereinsregister eingetragen, mindestens ebenso viele nicht eingetragene Vereine und Gruppierungen sind ehrenamtlich aktiv. Einige Vereine haben große Nachwuchsprobleme oder stehen sogar vor der Auflösung, da neue Ehrenamtliche für die gemeinsame Arbeit nur in zu geringer Zahl oder gar nicht zu gewinnen sind. Die Vorstandsarbeit wird immer komplexer und das Gefühl verstärkt sich, sie bliebe an nur wenigen hängen. Den „Harten Kern“ kennen wohl alle Vereine. Die Vereinsarbeit wird aber zunehmend professionalisiert. Vorstände sind nicht selten zu kleinen Firmen geworden. Zudem sind viele Eifeler in mehreren Vereinen engagiert. Sprich: Vereinsmüdigkeit und Frustration machen sich breit und drücken die Stimmung für ein frisches Weiterkommen. Nachfolger für Vorstandsarbeit zu gewinnen wird immer schwieriger.

Was kann man tun?

Zum Beispiel lässt sich Vereinsarbeit durch vereinsübergreifende Kooperationen vereinfachen: Nicht jeder Verein muss seine eigene Mitgliederverwaltung, Öffentlichkeitsarbeit, Mitgliederkommunikation und Veranstaltungslogistik betreiben. Diese Aufgaben können geteilt und zusammengelegt werden. Richten wir doch gut ausgestattete, vereinsübergreifende Geschäftsstellen ein. Da sehe ich sogar Potential für Arbeitsplätze!

Als Bürgermeister der Verbandsgemeinde Daun werde ich Ehrenamtler bei der Entwicklung gemeinsamer Strategien der Mitgliedergewinnung begleiten. Und vor allem: die Entwicklung von konkreten Maßnahmen zur zeitlichen Entlastung von Vorständen. Damit alle gesund bleiben.
Daje!